Trend-Thema
Trügerische Sicherheit – wie moderne Autos zum Rasen verleiten
- Moderne Fahrzeugkonstruktionen (engere Sichtfenster, bessere Dämmung, weichere Federung) verringern die Wahrnehmung von Geschwindigkeit.
- Fahrer unterschätzen ihr Tempo im Mittel deutlich; steigende Motorleistungen und bessere Isolation fördern dadurch unbewusst schnelleres Fahren.
- Gegenmaßnahmen reichen von technischen Warnsystemen und automatischen Begren-zern bis zu stärkeren Sanktionen und Versicherungsanreizen.
Trügerische Sicherheit – wie moderne Autos zum Rasen verleiten
Moderne Pkw geben ihren Insassen zunehmend das Gefühl, sicherer und komfortabler unterwegs zu sein. Diese Komfortsteigerungen haben jedoch eine Kehrseite: Fahrer nehmen Geschwindigkeit, Gefahren und Entfernungen oft weniger deutlich wahr, was zu überhöhtem Tempo und riskanterem Fahrverhalten führt.
Warum das Tempogefühl verloren geht
Drei technische Trends arbeiten zusammen, um das tatsächliche Tempo zu verschleiern: schmalere Sichtflächen durch kräftigere Karosserien, stärkere Schalldämmung, die Motor- und Windgeräusche ausblendet, und weichere Federungen, die Rückmeldung vom Fahrbahngefühl reduzieren. Zusammen schwächen sie die wichtigsten Sinneseindrücke, die das Gehirn zur Einschätzung der gefahrenen Geschwindigkeit nutzt.
Konkrete Folgen: Unterschätzte Geschwindigkeit und stärkere Motoren
Untersuchungen zeigen, dass Insassen das eigene Tempo im Schnitt um rund 20 Prozent unterschätzen, was häufig zu leicht überhöhten Geschwindigkeiten führt. Gleichzeitig ist die Motorleistung neuerer Fahrzeuge deutlich gestiegen, was die Beschleunigung und das subjektive Verhalten auf Straßen zusätzlich begünstigt.
Gefahrenmessung: Bremsweg und Aufprallrisiken
Bei hoher Geschwindigkeit verlängern sich Bremsweg und Anhalteabstand erheblich: Schon wenige Sekunden Unaufmerksamkeit können Distanzen erzeugen, bei denen das Risiko schwerer Unfälle stark ansteigt. Höhere Kollisionsgeschwindigkeiten erhöhen darüber hinaus die Wahrscheinlichkeit tödlicher Folgen deutlich.
Psychologie des Schutzgefühls
Größere, komfortabler gepolsterte Fahrzeuge vermitteln ein Gefühl von Schutz — ein Effekt, der als "Car Cushion Hypothesis" beschrieben wird. Dieses empfundene Sicherheitsgefühl kann das Risikoempfinden senken und zu rücksichtsloserem Verhalten im Straßenverkehr beitragen.
Wie sich Technik gegen Tempo einsetzen lässt
Es gibt mehrere Ansätze, um den Tempoeffekt zu verringern: strengere und sichtbarer durchgesetzte Sanktionen, technische Geschwindigkeitsbegrenzer, Versicherungsanreize für rücksichtsvolles Fahren sowie gestalterische Änderungen im Fahrzeug, die Wahrnehmung und Rückmeldung verbessern. Praktische Tests mit visuellen Warnsystemen im Innenraum — etwa LED-Indikatoren, die bei Überschreiten eines Limits stärker werden — zeigten zwar nur begrenzte Wirkungen, könnten aber ergänzend zu externen Maßnahmen sinnvoll sein.
Fazit
Die Kombination aus besserer Dämmung, sanfteren Fahreigenschaften und stärkerer Motorleistung schafft eine trügerische Sicherheit, die viele Fahrer dazu verleitet, schneller zu fahren. Um Verkehrssicherheit wirksam zu erhöhen, sind sowohl technische Anpassungen in Fahrzeugen als auch deutlichere äußere Anreize und Kontrollen erforderlich.
1 Studie der VUT Sachverständigengesellschaft mbH & Co. KG, Januar 2013 (zuletzt abgerufen am 28.11.2025)
2 Trügerische Sicherheit: Wie moderne Autos zu schnellerem Fahren verleiten
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